Die Geschichte des SERC 04 e.V.

Als sich im Jahr 1904 in einem Schwenninger Gasthof einige Bürger des Städtchens trafen, um den Schwimm- und Eisclub zu gründen, konnte keiner ahnen, was über 90 Jahre später aus diesem Verein werden würde. Die Initiatoren wurden in ihrer Absicht, einen Schwimmverein zu gründen, durch ein Unglück bestärkt, bei dem vier junge Schwenninger im nahen Salinensee ertranken. In weiser Voraussicht, daß der Schwimmsport alleine nicht ausreichen würde, um den sportlichen Bedürfnissen der Jugendlichen gerecht zu werden und aufgrund der klimatischen Besonderheiten (ein halbes Jahr richtiger Winter), wurde von vornherein der Eissport mit einbezogen. Die Vereinsleitung bemühte sich mit Erfolg, eine Eisbahn zu gründen - sie entstand schließlich an der Rottweiler Straße - aber mit Wettbewerben der Sparte Eishockey ging es erst in den Zwanziger Jahren so richtig los. Eishockey, Eiskunstlauf und Eisstockschießen wurde von Aktivenmannschaften betrieben.

Im Jahre 1927 sah man am Neckarursprung die ersten Eishockeybegegnungen gegen Titisee und Stuttgart, ein Jahr später beteiligte sich zum ersten Mal eine Schwenninger Mannschaft an Meisterschaftsspielen. Die ersten Erfolge stellten sich zwischen 1931 und 1936 ein, als man ununterbrochen Südwestdeutscher Eishockeymeister wurde und in den Jahren 1931 und 1933 bis in die Vorrunde zur Deutschen Meisterschaft vorstieß, wo dann allerdings Endstation für die Puckjäger war.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde in der Reithalle Eis aufbereitet und Eishockey gespielt, da die Natureisbahn während des Krieges als Schrebergarten diente. Es gab einen Generationswechsel bei den Kurvenkünstlern und die neue, junge Mannschaft wurde zum Abonnementslandesmeister in den Fünfziger Jahren. Die Spiele an der Rottweiler Straße, die "alte Heimat" wurde 1948 wieder aufgebaut, waren oft Anziehungspunkt für Tausende begeisterter Zuschauer. Zuvor war 1947 der Rollhockeysport als neue Sparte hinzugekommen, während man sich vom Schwimmverein trennte. 1950 wurde der Verein schließlich in "Schwenninger Eis- und Rollsportclub 04 e.V." umbenannt.

Für die Eishockeyspieler kam Ende der Fünfziger Jahre vorübergehend das sportliche "Aus". Bedingt durch die Verlegung eines Kanals sank der Grundwasserspiegel derart, daß nur noch bei extrem kalter Witterung eine Eisbereitung möglich war. Die Verantwortlichen dachten sogar an eine Vereinsauflösung, falls in Schwenningen keine Kunsteisbahn gebaut werden würde. Im Jahre 1964 wurde mit überwiegender Mehrheit des SERC ein Kunsteisbahn-Förderverein gegründet. Damit begann die sportliche Neuzeit des SERC. Im Dezember war die vorläufig nicht überdachte Kunsteisbahn am heutigen Standort fertiggestellt. Doch der sportliche Neuanfang war schwer, die alte, erfolgreiche Garde stand nicht mehr zur Verfügung, Nachwuchs gab es keinen. Zunächst wurde folgerichtig eine Spielgemeinschaft mit dem WSV Titisee gegründet, ein Jahr später holte man den bundesligaerfahrenen Ernst Wölfl und das Eishockey erlebte einen sensationellen Aufschwung. Die erste Mannschaft betätigte sich zunächst nur in Freundschaftsspielen, doch bereits ab 1974 nahm man am regulären Spielbetrieb der bayrischen Regionalliga teil. Der sportliche Erfolg führte zum weiteren Ausbau der Anlagen. Nach zähen Verhandlungen stimmte der Gemeinderat einer Überdachung der Kunsteisbahn zu. Schwenningen hatte rechtzeitig zum Einstieg in die Oberliga eine Eishalle, die bald zur fast uneinnehmbaren Festung wurde. Der sportliche Aufstieg ging rasant weiter, nach der Verpflichtung eines jungen, engagierten Trainers, Peter Ustorf, schaffte man 1979 zunächst den Aufstieg in die 2. Bundesliga, zwei Jahre später stieg man mit dem Lokalrivalen ERC Freiburg sogar in die 1. Bundesliga auf. Dieser Schritt mußte wieder ernsthaft überlegt werden, da gewaltige finanzielle Belastungen ins Haus standen, doch die damaligen Verantwortlichen besaßen den Mut und die Kraft, den vermeintlichen "Underdog" aus Schwenningen in der 1. Liga zu etablieren. Der SERC wurde zum Aushängeschild der Stadt und der Region. Er konnte allen Unkenrufen zum Trotz bis ins Jahr 2003 die Liga erhalten und zählt heute zu den traditionsreichsten Vereinen in Deutschland.

Die Saison 1989/90 wird die erfolgreichste in der 1. Liga. In einer der kuriosesten Play-Off Serien (fünf Auswärtssiege!) gegen die Preussen Berlin wird unter Trainer Vaclav Nedomansky der Halbfinaleinzug geschafft. Dort sorgt der SERC für einen weiteren Rekord. Drei Niederlagen gegen die DEG mit 16:29 Toren! Danach geht es erstmal bergab. Finanziell wurde weiterhin traditionsgemäß sparsam gewirtschaftet, dadurch mußte gegen eine übermächtige, teilweise wirtschaftlich unverantwortliche Konkurrenz in der Saison 1992/93 der sportliche Abstieg hingenommen werden. Doch der DEB entzieht dem ERC Freiburg die Lizenz - der SERC bleibt oben.

Mit Beginn der Spielzeit 1994/95 ersetzt die DEL die Bundesliga. Die Mannschaften geben sich neue Vereinsnamen, von nun an gehen die Wild Wings für den SERC auf Torejagd. Die Lizenzerteilung für die DEL stellt für den solide geführten Verein kein Problem dar. Auch die Erweiterung der Kunsteisbahn im Moos wird zu dieser Zeit fertiggestellt. Mit zwei überdachten Bahnen, einem neuen Curlingzentrum (Leistungszentrum) und dem professionellen Ausbau des Kabinentrakts entsteht ein modernes Zentrum für den im Schwarzwald beliebten Eissport.

In der Saison 2000/2001 verdunkelten sich dann die Wolken über dem Bauchenbergstadion. Nur durch eine bundesweit einmalige Spendenaktion der SERC-Fans und durch ein unglaubliches Zusammenrücken der Region zum Erhalt des SERC konnte der Verein die nächste Saison in Angriff nehmen. Leider ließ sich der drohende Insolvenzantrag nur bis zur Saison 2002/2003 hinaus zögern. Mittlerweile waren die finanziellen Schwierigkeiten unüberwindbar geworden, so dass sich die Vorstandschaft zu diesem Schritt gezwungen sah. Insolvenzverwalter Klaus Haischer (Oberndorf) erarbeitete einen Insolvenzplan, der die Grundlage für das Fortbestehen des SERC darstellt. Die Genehmigung dieses Insolvenzplanes durch das Gericht und die Gläubiger ermöglicht den Schwenninger Wild Wings die Aufnahme in die Eissport-Betriebs-Gesellschaft des Deutschen Eishockey Bundes und damit Teilnahme an dem Spielbetrieb der Zweiten Eishockey-Bundesliga in der Saison 2003/2004.

Als vorbildlich kann die Nachwuchsarbeit bei den Wild Wings bezeichnet werden. Im letzten Jahrzehnt wurden die Voraussetzungen geschaffen, daß der SERC seinen Nachwuchsspielern optimale Trainingsbedingungen bieten kann. Zahlreiche ausgebildete Trainer und ein umfangreicher Spielbetrieb in Deutschland und bei international anerkannten Jugendturnieren führte dazu, daß mehrere Nachwuchsspieler in DEB-Jugendnationalmannschaften und in die 1. Mannschaft berufen wurden und sich bei den verschiedenen Jugendmannschaften immer wieder große Erfolge einstellten.