#wirSindSchwenningen
11.07.2017

"Ich will mein bestes Eishockey spielen"

Neuzugang Tobias Wörle im Interview

(bk) Im Interview mit wildwings.de spricht Neuzugang Tobias Wörle über seine letzten freien Tage, seine Beweggründe für einen Wechsel an den Neckarursprung und die verflixte 13.

Tobias Wörle, vom zweifachen Meister zum Underdog. Warum dein Wechsel aus München zu den Wild Wings?

Wörle: Nachdem klar war, dass ich in München keinen neuen Vertrag mehr bekomme, war ich schon ein wenig enttäuscht. Ein Teil dieser Organisation zu sein ist für jeden Spieler ein Traum. Mit dieser Mannschaft gewinnst du in der Regel immer mehr Spiele als dass du verlierst, lange Negativserien bleiben aus und man fällt in kein Loch. Doch jedes neue Kapitel bringt auch etwas Spannendes mit sich. So hatte ich früh ein Gespräch mit Pat Cortina und nach den weiteren Verhandlungen mit Jürgen Rumrich war ich endgültig von dem hier eingeschlagenen Weg überzeugt

Was bedeuten die beiden Titel mit München für dich?

Wörle: Enorm viel, davon kann ich auch nach meiner Karriere noch erzählen. Zumal der erste ja eher aus heiterem Himmel für mich kam. Ich war zwei Jahre zuvor mit großen Ambitionen nach Straubing gekommen, wollte mit den Tigers um die Playoffs mitspielen. Doch von Anfang an hat es irgendwie nicht gepasst. Ich selbst habe nicht mein bestes Eishockey gespielt, konnte nicht an die Jahre zuvor in Iserlohn anknüpfen. Aber auch von Seiten des Vereins habe ich nicht das Vertrauen gespürt, mehrfach standen die Zeichen auf Abschied. Als in München dann eine Verletztenmisere herrschte, war die Zeit gekommen. Für mich war dies wie von null auf hundert und wurde gleich mit der ersten Meisterschaft gekrönt.

Hattest du in Straubing Selbstzweifel?

Wörle: Natürlich hatte ich die. An mir selbst und bei der Frage, ob ich überhaupt jemals einen Titel gewinnen kann.

Du gehst in deine 13. Saison in der DEL. Für dich eine Glücks- oder eine Unglückszahl?

Wörle: Ganz ehrlich: diese Zahl bedeutet mir gar nichts. Gerade wir Eishockeyspieler hätten damit viel zu tun, schließlich spielen wir unter anderem freitags und der kann nun mal durchaus auch auf einen 13. fallen. Es zeigt nur, dass ich schon ganz schön lange dabei bin (lacht).

Kassel als Einstieg, Frankfurt mit vier Spielzeiten am längsten, Iserlohn mit Ihrer persönlich besten Bilanz, Straubing und München mit zwei Titeln – an welche Station hast du die besten Erinnerungen?

Wörle: Da will ich eigentlich keinen Unterschied machen. Jede Zeit, jeder Ort und jeder Verein hatte etwas für sich, deshalb möchte ich nichts davon missen. Selbst wenn es, wie in Straubing, sportlich nicht gut lief. Auch dies bringt einen als Spieler weiter. Was viel wichtiger ist: Überall habe ich viele Freundschaften geschlossen, die bis heute Bestand haben.

Mit welchen Erwartungen kommst du nach Schwenningen – für dich persönlich und für das Team?

Wörle: Ich selbst will mein bestes Eishockey spielen und dadurch dem Team helfen, den größtmöglichen Erfolg zu haben. Die Wild Wings haben sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert, waren in der letzten Saison knapp an der ersten Playoff-Runde dran. Diesen Weg wollen wir weiter gehen und möglichst verbessern.

Hier wird verstärkt auf die deutsche Schiene gesetzt, sogar zunächst auf einen neunten Ausländer verzichtet. Was sagst du dazu?

Wörle: Ich halte dies für eine gute Idee. Denn auch bei einem ausländischen Spieler, der beispielsweise zum ersten Mal nach Europa kommt, gibt es keine Garantie. Wobei es ja nach wie vor einen gewissen Handlungsspielraum gibt, sollte der Erfolg ausbleiben. Ganz abgesehen davon – egal ob deutscher Akteur oder Kontingentspieler – muss die Chemie in einer Mannschaft passen. Das ist gerade im Eishockey sehr wichtig.

Geht dadurch der Weg deiner Meinung nach weg von der klassischen Aufteilung zwischen erster bis vierter Reihe?

Wörle: In gewisser Weise schon. Natürlich wird es immer eine nominell erste Reihe geben. Doch die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass gerade diejenigen Vereine erfolgreich sind, die über einen relativ ausgeglichenen Kader verfügen und über eine lange Zeit mit vier Blöcken agieren können.

Ist speziell die Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern für dich mit deinen fast 33 Jahren eine interessante Aufgabe?

Wörle: Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich ein junger Spieler war und ich das ein oder andere Mal von einem erfahrenen Mann beiseite genommen wurde. Dies hat mir geholfen, wieder in die Spur zu finden. Sollte also mein Rat gefragt und gewünscht sein, bin ich gerne bereit dazu. Genauso war und bin ich schon immer jemand, der auch mal klare Worte in der Kabine findet, für einen Spaß zu haben ist oder sich als Bindeglied zwischen ausländischen und deutschen Spieler sieht. Denn was auf keinen Fall passieren darf ist eine Art Grüppchenbildung.

Was hast du bis zum Saisonstart noch geplant?

Wörle: Das bisherige Sommertraining war gut und wichtig, doch wird es ebenso Zeit, neben Ausdauersportarten wie Laufen und Radfahren auch wieder aufs Eis zu kommen. Deshalb haben wir in Füssen seit Jahren eine Gruppe – unter anderem mit Michi Wolf – die sich Eiszeiten im Leistungszentrum mietet und zusammen trainiert. Hier bin ich in der Zwischenzeit der „Manager“, kümmere mich um die Teamzusammenstellungen und die Zeiten (lacht). Darüber hinaus werde ich in meiner Wohnung in Schwenningen weiter alles soweit vorbereiten, damit ich mich zum Saisonstart darum nicht mehr kümmern muss, sondern mich voll auf das Training konzentrieren kann.